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Videothek liefert die Silberlinge per Post
Mit seinem Gespür für Trends wird der Medienunternehmer Andreas Grebenstein zum MarktführerLängst haben die schmalen silbernen DVDs die klobigen VHS-Kassetten aus den Videotheken verdrängt. Doch Andreas Grebenstein, Chef der Kette Video Buster, geht noch einen Schritt weiter: Er hat den Verleih mit dem Internet gekoppelt und Deutschlands erste Online-Videothek gegründet.
Als George Atkinson 1977 in Los Angeles die weltweit erste Videothek eröffnet, verdiente sich in Seesen der damals gerade 16-jährige Andreas Grebenstein das erste eigene Geld noch als Tankstellen-Aushilfe. Nach der Schule wusste er eigentlich nicht so recht, was er anfangen sollte. Alles, was ihn interessierte, waren Filme. Und weil in dem verschlafenen Harz-Städten nicht eben viel los war, nahm er allen Mut und alle Ersparnisse zusammen und eröffnete 1983 ebenfalls eine Videothek. Das Geschäft wurde zum Selbstläufer: 80 Prozent der Filme waren stets im Umlauf.
Anfang der 90er Jahre reiste Grebenstein in die USA, besuchte eine Filiale von Blockbuster und war begeistert von dem offenen Konzept. „Es war an der Zeit, die Videotheken auch in Deutschland aus der Schmuddelecke herauszuholen.“ Doch die Amerikaner lehnten seine Franchiseanfrage ab. Das hätten sie vielleicht nicht tun sollen, denn zurück in Deutschland gründete Grebenstein Filialen nach US-Vorbild, darunter auch in Hildesheim. Zunächst am Bismarckplatz, heute in der Quandt-Straße. Inzwischen zählt seine Video Buster Entertainment Group mehr als 40 Geschäfte, 500 Mitarbeiter und über eine Million Kunden bei einem Jahresumsatz von 65 Millionen Euro.
„Ich hatte damals den Vorteil, dass der Markt gut war“, zeigt sich Grebenstein bescheiden. Um auch weiterhin erfolgreich zu sein, ruhte er sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Die Anregung bekam er wieder in den USA. Dort hatte Netflix ein System entwickelt, wie man das Internet als Vertriebsweg nutzen kann: Der Kunde muss nicht mehr in die Videothek fahren, sondern wählt seine Titel am PC aus. Grebenstein erkannte das Marktpotential und gründete 2002 Netleih, die erste Online-Videothek im Land. Und wieder war der Erfolg durchschlagend. Jede fünfte DVD wird inzwischen per Internet ausgeliehen, in den nächsten fünf Jahren erwartet Grebenstein die Verdopplung des Marktes.
Das System ist einfach: Der Kunde gibt den Filmtitel ein und findet neben einer Kurzbeschreibung eine Übersicht anderer Filme dieses Genres oder mit den selben Darstellern. Kurzkritiken von Kunden und ein Fünf-Sterne-Bewertungssystem erleichtern die Übersicht. „Zeit ist ein begrenztes Gut, das sollte man nicht mit Filmen verschwenden, die einem nicht gefallen“, begründet Grebenstein die Markttransparenz.
Der Kunde hat nicht nur Zugriff auf 20 000 Filme und 2500 Spiele in den Filialen, sondern auch auf das Zentrallager in Seesen mit geschätzten 300 000 Titeln. 200 000 Kunden bestellen bei Video Buster inzwischen online, jeder Vierte regelmäßig. Sobald bei Torsten Hesse, Leiter der Videothek Quandt-Straße, eine Bestellung eingegangen ist, packt er den Silberling in eine Versandtasche, die ohne Mehrkosten per Post verschickt wird. Nach einer Woche wirft der Kunde das bereits etikettierte Couvert nur noch in den Briefkasten.
Nach wie vor erzielt Hollywood das größte Geschäft: 20 Prozent aller Titel bringen 80 Prozent des Umsatzes. Bei Internet-Bestellungen aber wandele sich das Bild: Hier machen Blockbuster nur noch 20 Prozent aus, „Filme mit Anspruch“ bringen 80 Prozent. Nachdem Grebenstein vor drei Monaten den Mitbewerber Amango aus dem Haus Burda übernommen hat, hat der Seesener schon wieder die Nase vorn.
Inzwischen installieren bereits namhafte Gerätehersteller seine Website in ihren Laptops und Fernsehern vor. Weil Grebensteins Maxime innovatives Denken und konservatives Wirtschaften heißt, brachte er seine Holding 2005 an den Kapitalmarkt, gab Genussscheine von mehr als 300 Millionen Euro in Umlauf. Die Geschäftsführung teilt er sich seit 2005 mit dem Banker Mario Brunow, Aufsichtsratsvorsitzender ist der Hildesheimer FH-Wirtschaftsprofessor Prof. Dr. Henning Krug.
Den Spaß an Filmen aber hat Grebenstein bis heute nicht verloren. Sein Favorit: die Johnny-Cash-Biografie „Walk the line“. Auch der „Man in Black“ kam aus einer mittellosen Kleinstadt-Familie und wurde zum ganz Großen.
Vom Ein-Mann-Betrieb zum Filmverleih-Imperium: Die Internetseite von Andreas Grebensteins Firma liegt inzwischen auf Platz 800 der meistgeöffneten Seiten in Deutschland.
Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung (www.hildesheimer-allgemeine.de)
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