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Filmverleih zwischen Blu-ray und Downloads

Die Filmverleih-Branche steht mitten im Umbruch: Bei DVDs steht der Umstieg auf das neue Format Blu-ray bevor, und niemand weiß, wann Video-on-Demand einmal zum Massengeschäft wird, wie Matthias Breitinger berichtet.

Wer auf dem Land lebt, hat es nicht leicht: Die nächste Videothek ist nicht gerade um die Ecke, und mit Breitbandanschlüssen ist es vielfach auch noch nicht weit her. Video-on-Demand (VoD), also der Abruf von Filmen als Videostream im Internet, ist da Zukunftsmusik. Von einem Massenmarkt ist VoD ohnehin weit entfernt – gerade einmal ein Prozent der Gesamtumsätze eines Spielfilms kommen aus diesem Vertriebskanal.

Angesichts dieses äußerst geringen Anteils können Betreiber von Websites, die ausschließlich auf VoD setzen, von Gewinnen derzeit nur träumen. Damit kann man erst einmal kein Geld verdienen, weiß Mario Brunow. Der 38-Jährige ist Vorstandsmitglied bei Video Buster, einem Filmverleih-Anbieter, der zwar auch Video-on-Demand offeriert, das Kunden auf Wunsch testen können. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen aber einen Online-DVD-Verleih und hat noch Videotheken im Portfolio.

Technische Hürde noch hoch

"Video-on-Demand ist als Distributionsweg nicht zu vernachlässigen, aber derzeit nur zusammen mit den anderen Vertriebskanälen attraktiv", erläutert Brunow im Gespräch mit der Netzeitung. Noch sei die Nutzerschaft von VoD "viel zu klein", Grund ist die hohe technische Hürde. Zwar wird die Verbreitung von Internetzugängen mit hohen Übertragungsraten weiter zunehmen, doch damit allein ist es nicht getan. Viele wollen Spielfilme eben im Fernseher schauen, nicht am PC, und scheuen noch davor zurück, ihren PC mit dem Fernseher zu verbinden. Außerdem ist Brunow zufolge das Filmangebot bei Video-on-Demand noch gering.

Deshalb hat der Firmenvorstand auch keine Angst vor Apple: Der US-Konzern hatte angekündigt, im Lauf des Jahres in Europa über seinen Dienst iTunes auch in den Markt für Video-on-Demand einzusteigen. "Wir haben keine Sorge, dass unsere Kunden jetzt alle zu Apple überlaufen", meint Brunow. "Wir sehen den Markteintritt von Apple eher positiv: Er bedeutet einen zusätzlichen Push für Filme übers Internet." Dadurch bekomme das Thema in der Öffentlichkeit eine noch größere Aufmerksamkeit.

Harter Kampf um wenige Prozente

Doch was tun, wenn es zum Massenprodukt VoD noch ein weiter Weg ist? Es bleibt der Griff zur Silberscheibe, aber die kommt immer häufiger per Post. Dabei schickt der Anbieter den auf der Website ausgesuchten Film als DVD im Umschlag ins Haus, nach dem Anschauen wird der Film wieder zurückgeschickt. Inzwischen streitet sich mehr als eine Handvoll Anbieter um den knapp zehnprozentigen Anteil am Gesamtverleihmarkt: "Als Konsequenz entstand bei keinem ein ausreichendes Kundenwachstum, um eine kritische Masse zu erreichen", berichtet Brunow.

Die Folge: ein heftiger Wettbewerb um kleine Marktanteilsprozente. So startete der Anbieter Amango Flatrate-Angebote. Für einen monatlichen Festpreis kann man so viele Filme ausleihen wie man möchte, nur die Zahl der auf einmal ausleihbaren DVDs ist begrenzt. Die Versandkosten sind im Preis schon drin.

Flatrate umstritten

Das Modell ist umstritten: Bei "Audio Video Foto Bild" war Amango im Herbst 2007 Testsieger, die Prüfer lobten neben den günstigen Preisen das umfangreiche Sortiment. Doch es gibt auch kritische Kunden, die sich wegen extremer Lieferverzögerungen von Amango abgewandt haben. Nutzer berichten auf dvd-verleih.info, dass Amango ihnen von ihrer Wunschfilmliste häufiger die hinteren Plätze zugeschickt habe, nicht die Topfilme. Das mag viele nicht stören – denn Hardcore-Filmfans werden auf ihrer Liste ohnehin jeden Film sehen wollen, die Reihenfolge dürfte nicht entscheidend sein. Andere indes möchten gern in den nächsten Tagen einen ganz bestimmten Film anschauen und könnten dann enttäuscht werden.

Für sie könnte Video Buster eine Alternative sein – allerdings bei höheren Preisen, wie von Usern im Forum von dvd-verleih.info kritisch vermerkt wird. Video Buster bietet keine Flatrate an, wofür Vorstand Brunow eine Erklärung hat: "Flatrates führen dazu, dass Sie kein Geld mehr haben, um vernünftig neue Medien einzukaufen. Da aber Neuheiten massiv nachgefragt werden, müssen Ihre Kunden dann teils extreme Wartezeiten in Kauf nehmen."

Mario BrunowBleiben ein paar Anbieter, die in den vergangenen Monaten zudem der offenen Frage nach dem Datenträgerformat der Zukunft gegenüber standen: HD DVD oder Blu-ray? Nun hat sich letzteres durchgesetzt, doch der enorme Push, den sich Mitentwickler Sony verspricht, ist wohl nicht zu erwarten. "Ein ähnlicher Marktschub wie einst beim Wechsel von der VHS-Cassette zur DVD wird sich ganz sicher nicht wiederholen", glaubt Brunow.

Videotheken bekommen größten Stück vom Kuchen

Der Grund: Der Mehrwert von Blu-ray gegenüber der herkömmlichen DVD sei zu gering, als dass der Endverbraucher ihn spüren würde. "Die bessere Auflösung wird nur bemerken, wer einen entsprechend guten Fernseher hat", erklärt Brunow. "Das war bei der DVD im Vergleich zur VHS-Cassette völlig anders, da stellte jeder eine bessere Ton- und Bildqualität und eine einfachere Handhabung fest."

Doch egal wie rasch sich der schnelle Internetzugang weiter ausbreitet und die Angst vor der technischen Hürde bei Video-on-Demand schwindet – die klassische Videothek wird auf Dauer nicht verschwinden, ist sich Brunow sicher. Noch immer laufen mehr als 90 Prozent aller Verleihvorgänge über die stationären Filialen.

Allerdings: Heutzutage hätte ein kleines Ladenlokal mit Videos und DVDs in ein paar Regalen keine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft mehr, meint Brunow. "Heute ist eine Videothek nur mit einem starken Online-Auftritt sinnvoll. Ein optimaler Auswahlprozess lässt sich nur im Internet anbieten." Dort lassen sich eben auch Filmtrailer anschauen und Bewertungen anderer lesen oder man kann sich beispielsweise alle Filme mit einem bestimmten Schauspieler auflisten lassen – das alles kann eine kleine Videothek kaum leisten, ob sie nun nebenan liegt oder einige Kilometer entfernt.


Quelle: Netzeitung (www.netzeitung.de)
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