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Online-Videotheken: Per Post statt per Pedes


Logo SPIEGEL ONLINE [...] Der Pionier in Deutschland aber hieß Netleih, als Onlinetochter der heute über rund 40 Filialen verfügenden Kette Video Buster gegründet. Die Firma aus dem niedersächsischen Seesen versucht seitdem, die sowieso vorhandene Ware auf dem alternativen Postweg an den Kunden zu bringen - ein Geschäft, dass mehr Ruhm als Profit bringt. Denn bei einem Pauschalpreis von 9,90 Euro für das kleine Abo, dass vier Filme pro Monat umfasst und alle Portokosten beinhaltet, bleibt nicht viel kleben. Mehr aber ist in dem hart umkämpften Mini-Markt nicht durchzusetzen: Der Preis ist durchaus typisch, die Shops unterscheiden sich vornehmlich in ihren Konditionen.

Trotzdem soll Netleih nun, nach fünf Jahren, die Gewinnzone erreicht haben. Doch dass das Geschäftsmodell nicht von Dauer ist, scheint den Betreibern durchaus klar: Am Montagabend soll die Onlinevideothek zum ersten "One Stop Shop" in Sachen Video werden - mit einem On-demand-Download-Dienst. Netleih dokumentiert so exemplarisch den Wandel einer ganzen Branche: Die Videotheken der Buster-Kette werden zum flexiblen Versandnetz. Wie der Kunde künftig seine Filme erhalten will, kann er selbst entscheiden - online, per Post oder per Pedes.

Damit ist das Unternehmen gleich in zwei langsam aufstrebenden Marginalmärkten und einem schrumpfenden aktiv. Jetzt rührt es kräftig die Werbetrommel, damit das auch gelingt: parallel zum On-demand-Start wandelt sich die Videokette zur Aktiengesellschaft.

Klein ist er allerdings, zumindest, was das Potenzial für verschiedene Anbieter angeht. Schon jetzt tummeln sich sechs davon auf dem On-demand-Markt, dazu kommen die Mediatheken der TV-Sender. Medienmarken bieten den Verleihern - egal, ob per Post oder Download - dabei die größten Chancen, ihre Reichweite zu erhöhen.

Während Arcors Download-Videothek - einst Pionier auf dem deutschen Markt - auf kleiner Flamme pröttelt, startete maxdome ab August 2006 erfolgreich durch, weil die Download-Plattform, von ProSieben und Sat1 mit einem Dauer-Werbefeuerwerk begleitet wird: maxdom gehört zur Münchner Senderkette. Am Montag gab Netleih-Konkurrent Glowria eine Medienpartnerschaft mit rtv bekannt: die von der Firma produzierten Fernsehprogramme liegen verschiedenen deutschen Regionalzeitungen als Supplements bei. Die Wahrnehmung des bisher wenig bekannten Netleih-Konkurrenten dürfte das schlagartig erhöhen.

Doch Glowria ist noch nicht so weit, auch den nächsten Schritt in Richtung Download-Verleih zu gehen. Brunows Chance liegt darin, dass die meisten der bisher am Markt etablierten Dienste online bisher wenig zu bieten haben. Er geht mit immerhin 22.000 Filmen an den Start. Da über das Internet aber theoretisch ein Anbieter alle Kunden bedienen kann, wird es darauf ankommen, sich früh zu etablieren - und der Kundschaft die nach Möglichkeit dickste Film-Datenbank zu bieten.

Für dieses Geschäft stand Netleih bisher nicht, und wohl darum stirbt die Marke am Montagabend. In Zukunft soll das "One Stop"-Geschäft aus Videothek, Post-Verleih und Download-Filmdatenbank unter einem einheitlichen Namen laufen: Video Buster, wie die Videotheken der Kette seit 1983 hießen. Gut möglich, dass der Pionier einmal mehr einen Trend setzt, dass der Umzug einer Branche begonnen hat. Amazon dürfte bald folgen, in den Staaten hat der Versandriese längst mit dem on-demand-Geschäft begonnen.


Quelle: SPIEGEL ONLINE (www.spiegel.de)
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